CA 2025

Crossing Anhalt | 23. – 25. Mai 2025

An einem Abend im April 2025 laden Anja und ich ein paar Leute aus der Laufgruppe zu uns nach Hause ein. Es sind Menschen, die bei der Idee, das Bundesland Sachsen-Anhalt laufend zu durchqueren, nicht reflexartig das Weite suchen. Es sind die, die stattdessen sagen: „Klingt ein bisschen verrückt – ich bin dabei.“

Also sitzen wir zusammen, besprechen die Strecke und den Modus. Wir klären Fragen zur Startzeit, zum Tempo: Wie lange werden wir brauchen? Was bringt jeder mit? Wo gehen wir eigentlich auf die Toilette? Am Ende können wir vieles klären, einiges bleibt ungewiss. Aber eines ist sicher: Alle haben richtig Lust.


Ein paar Wochen später, am Abend des 23. Mai, sitzen wir bei Freunden von Jens in Pretzsch (Elbe) an einem großen Tisch vor einem noch größeren Topf mit Nudeln. Wir essen zusammen, machen Witze über das, was vor uns liegt, und versuchen, möglichst früh ins Bett zu kommen.

Kurz vor vier Uhr treffen wir uns auf dem Platz vor dem Schloss Pretzsch. Ein Foto. Die leicht unsichere Frage: „Geht es jetzt wirklich los?“ Ja. Es geht los.

Von Pretzsch bis zur Eckertalsperre im Harz – rund 230 Kilometer voller Abenteuer. Unsere Route führt uns durch die Dübener Heide, vorbei am Goitzschesee, durch Halle und die Dölauer Heide, weiter ins Mansfelder Land bis nach Eisleben und schließlich in den Harz. Ein Abstecher auf den Brocken und danach hinab zur ehemaligen innerdeutschen Grenze an der Eckertalsperre. Das ist die Herausforderung, die vor uns liegt.


Claudia, Anja und André. Vanessa, Jens, Martin und Steffen. Zwei Teams, die sich auf zwölf Streckenabschnitten von jeweils etwa 20 Kilometern abwechseln. Während die einen laufen, fahren die anderen zum nächsten Wechselpunkt. Ausruhen, Energie tanken, vielleicht ein wenig schlafen.

Unterstützt werden wir von Regina und Ulf. Sie versorgen uns mit allem, was wir brauchen: Getränke, Kuchen, Snacks, Pizza – und vor allem mit aufbauenden Worten, genau dann, wenn wir sie am meisten brauchen. Und das ist oft der Fall.


Es ist schwer in Worte zu fassen, was dieses Projekt so besonders macht. Da ist zum einen die Strecke. Immer wieder denke ich: „Dieses Land kennst du so gar nicht.“ Wir laufen durch Wälder, über Wiesen, vorbei an Flüssen und Seen – immer wieder überraschend schöne Landschaften. Viele Abschnitte führen über Wanderwege oder Forstwege. Wir durchqueren Halle, laufen am Saaleufer entlang und sammeln im Mansfelder Land mehr Höhenmeter als erwartet.

Es macht Spaß. Und es läuft.

Doch trotz sorgfältiger Planung gibt es auch unangenehme Momente. Wo eigentlich ein Weg sein sollte, finden wir nur einen matschigen Bach oder kämpfen uns durch dichtes, verwildertes Gelände. Und genau in diesen Augenblicken zeigt sich, worauf es wirklich ankommt: das Team. Die Menschen, die dich tragen – nicht wortwörtlich, sondern mit ihrer Gelassenheit, ihrer Freude am Laufen und ihrem Willen, gemeinsam ins Ziel zu kommen.


Mitten in der Nacht, im Regen und in der Kälte, ist mein inneres Feuer erloschen. Jeder von uns hat inzwischen etwa 80 Kilometer in den Beinen. Tagsüber begleitet uns die Sonne, doch die Nacht meint es nicht gut mit uns. Ich bin fest entschlossen auszusteigen.

Irgendwo im Harz warten wir auf Claudia, Anja und André. Ich liege im warmen Wohnmobil und schaue hinaus in die Dunkelheit. Viel Zeit bleibt nicht – das andere Team muss jeden Moment eintreffen. Martin und Jens stehen bereits draußen im Regen und warten.

Und weil ich es nicht ertragen kann, sie im Stich zu lassen, ziehe ich meine letzten trockenen Sachen an, packe Gel und Wasser in den Laufrucksack und trete wieder hinaus in die Nacht. Es geht weiter.


Am Ende der Nacht erreichen wir Schierke. Die letzte Etappe führt uns über den Brocken und anschließend hinab zur Eckertalsperre. Anja und Martin laufen diese letzten Kilometer mit mir. Wir sind müde, die Beine schwer, Regen und Wind begleiten uns. Und trotzdem gehören genau diese Kilometer zu den schönsten, die ich je gelaufen bin.

An der Talsperre wartet bereits die restliche Gruppe auf uns.
Es ist geschafft.

Doch wie so oft liegt das Glück nicht nur im Ankommen. Es steckt in der Strecke – in den vielen Kilometern, die wir gemeinsam zurückgelegt haben. In den Momenten, in denen wir uns gegenseitig getragen, unterstützt und angetrieben haben.


Danke an Claudia, Vanessa, Anja, Jens, André und Martin – für jeden einzelnen Schritt, den wir gemeinsam gelaufen sind.
Danke an Regina und Ulf – Herzensmenschen, ohne die wir dieses Ziel nicht erreicht hätten.
Und danke an Anja, dass du an meine Ideen glaubst und sie mit mir zusammen zum Leben erweckst.


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Kommentare

Ein Kommentar zu „CA 2025“

  1. […] uns CA2025 ziemlich begeistert zurückgelassen hatte, war schnell klar: Das machen wir wieder. Eine Idee für […]